Dienstag, 19. November 2013

Rebecca Gablé: Das Haupt der Welt



"Du hast die Krone bekommen. Also trag sie auch. Und Zwar allein."
Brandenburg 929: Beim blutigen Sturm durch das deutsche Heer unter König Heinrich I. wird der slawische Fürstensohn Tugomir gefangen genommen. Er und seine Schwester werden nach Magdeburg verschleppt, und bald schon macht sich Tugomir einen Namen als Heiler. Er rettet Heinrichs Sohn Otto das Leben und wird dessen Leibarzt und Lehrer seiner Söhne. Doch noch immer ist er Geisel und Gefangener zwischen zwei Welten. Als sich nach Ottos Krönung die Widersacher formieren, um den König zu stürzen, wendet er sich mit einer ungewöhnlichen Bitte an Tugomir, den Mann, der Freund und Feind zugleich ist ...



Prinz Tugomir wird von den Sachsen gefangen genommen und lebt fortan unter Feinden. Durch seine Heilfertigkeiten wird der Slawe schnell bekannt und beliebt, doch hat er nur einen Traum: in sein geliebtes Brandenburg zu den Hevellern zurückzukehren.
Seine Schwester Dragomira fügt sich leichter in das Leben bei den Sachsen ein. Sie wird bereitwillig ur Geliebten des Kronprinzen Otto. Doch sie muss schnell lernen, dass ihre Herkunft ihr keine rosige Zukunft mit dem baldigen König beherrscht.
Thankmar ist Ottos älterer Bruder. Eigentlich sollte er der nächste König werden, wäre er kein Bastard. Er hat sich zwar größtenteils mit seinem Schicksal abgefunden und unterstützt Otto mit Leibeskräften, doch sucht er dennoch nach einem Platz in der Welt, in dem er Anerkennung findet.

All diese verschiedenen Charaktere treffen aufeinander; ihre Leben werden auf unterschiedlichste Weise miteinander verwoben. Gablé gelingen diese Verbindungen sehr gut; mit der Zeit erhält man das Gefühl, selber Teil des Hofstaats Ottos zu sein. Dieses Gefühl hatte ich bis zur Mitte des Buches. Nachdem dort eine der Hauptfiguren gestorben ist, hat der Roman für mich ein wenig seinen Reiz verloren. Versteht mich nicht falsch, Hauptfiguren und Sympathieträger dürfen in meinen Augen immer gerne sterben, doch war diese Person eine, welche die anderen zusammengehalten hat und dazu immer einen gewissen Witz in die Handlung gebracht hat. Zusätzlich war die Verwandlung ebendieser Figur kurz vor seinem Tod in meinen Augen sehr unrealistisch und unverständlich. Das war für mich sehr schade.

So war für mich auch alles, was danach kam, das Ende. Der Spannungsbogen nahm kontinuierlich ab, und die Figuren haben mich nicht mehr so sehr mitgerissen wie zuvor. Das fand ich sehr schade, da ich den ersten Teil wirklich super fand.
Obwohl der Roman ab der Hälfte stark abnimmt - man hätte ihn deutlich kürzer machen können oder vielleicht über eine Splittung in zwei Teile nachdenken können (aber STOPP, das ist ein historischer Roman! Er muss mindestens 700 Seiten haben!) - ist er in seiner Gesamtheit immer noch sehr gut und flüssig zu lesen.

Ich kenne mich zwar nicht sonderlich mit der Zeit Ottos I aus, doch klingen die Schilderungen alle plausibel und für die Zeit angemessen. Es wird gemunkelt, dass der Roman noch fortgeführt wird. Wundern würde es mich nicht, da das Schlusskapitel dann doch wieder ein wenig abrupt kommt.

Ich werde mich demnächst an einem anderen Gablé-Roman versuchen und schauen, ob dieser mich mehr überzeugen kann. Dieser hat es leider nur zu Anfang.

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