Mittwoch, 25. Dezember 2013

Bastian Zach und Matthias Bauer: Morbus Dei. Die Ankunft




Ein einsames Bergdorf vor 300 Jahren: Von einem Schneesturm überrascht, verschlägt es den Deserteur Johann List in diese abgeschiedene, von Furcht und Aberglaube beherrschte Gegend. Schnell ist ihm klar, dass mit dem Dorf etwas nicht stimmt, dass ein düsterer Schatten über den Bewohnern liegt - Tiere werden getötet, Menschen verschwinden, vermummte Gestalten lauern in den finsteren Wäldern. Als Johann sich in die Tochter eines Bauern verliebt, beschließt er, mit ihr das Dorf zu verlassen. Doch noch bevor sie verschwinden können, eskaliert die Situation und ein Kampf auf Leben und Tod beginnt ...



Schwer verletzt erreicht Johann List ein scheinbar verlassenes Dorf in Tyrol. In letzter Sekunde wird er gerettet und gesund gepflegt. Er verliebt sich augenblicklich in seine Retterin, Elisabeth. Doch diese leidet unter der Tyrannei ihres Vaters Jakob - eine Beziehung ist so undenkbar.
Johann wird in die Dorfgemeinschaft eingegliedert und merkt bald, dass dort nicht alles mit Rechten Dingen zu geht. Die Bewohner fürchten sich, in den Wald zu gehen, Vieh verschwindet, und niemand will über sie reden. Doch Johann gibt nicht auf und kommt bald einem widerlichen Geheimnis auf die Spur.

Morbus Dei ist eine Mischung aus Historischem Roman und Thriller (vielleicht auch ein bisschen Mystery? Das ist nicht ganz klar). Unbedingt muss erwähnt werden, dass es sich um eine Trilogie handelt; die Folgebände heißen Inferno und Im Zeichen des Aries. Dementsprechend ist die Handlung so ausgelegt, dass viele Fragen aus dem ersten Band erst in den Folgebänden geklärt werden (hoffe ich).

Zum Schreibstil: Man merkt, dass die beiden Autoren sehr viel recherchiert haben. Die Geschichte spielt im 18. Jahrhundert und genauso werden Häuser, Werkzeuge, Tätigkeiten etc. beschrieben. Das ist sehr atmosphärisch und hat gut gefallen. Auch den österreichischen Akzent konnte ich als Jemand, der es eigentlich hasst, in Büchern Dialekte zu lesen, gut ertragen. Er klang mitunter sogar ganz süß. Manche Wörter haben allerdings nicht so gut gepasst, zum Beispiel: "Batterie" oder "geschockt". Die haben die Illusion des 18. Jahrhunderts dann hin und wieder aufgebrochen.
Negativ aufgefallen ist mir allerdings dann der Satzbau. Häufig handelt es sich hierbei um eine Aneinanderreihung von Hauptsätzen ohne Bindewörter. Das klang für mich dann immer stakkatoartig und abgehackt. Ein bisschen mehr Varianz wäre da schön gewesen. Auch wurden ein paar Namen zu oft erwähnt, wenn Personalpronomen ausgereicht hätten. Laut vorgelesen klang das unfreiwillig komisch, wenn man so häufig dieselben Namen hört. Aber das sind Peanuts, die nur hin und wieder den Lesefluss gestört haben.

Was ich wirklich als größeres Manko betrachte, ist die Charakterzeichnung. Ich weiß nicht, ob ich es am Anfang überlesen habe, aber ich kann mir keine der Figuren bildlich vorstellen. Nirgendwo las ich etwas von Augen- oder Haarfarben, und das fällt auf, wenn Johann sich in Elisabeth verliebt und ihre Schönheit preist. Auch wenn ich es anfangs überlesen habe, hätte hin und wieder eine Wiederholung nicht geschadet. So blieben die Charaktere immer ein bisschen leer. Der Protagonist Johann hat lange Zeit nichts von seiner Vergangenheit preisgegeben, sodass eine Identifikation mit ihm durchaus schwierig war. Es fiele mir schwer, bei den meisten Figuren Charakterzüge herauszuarbeiten, weil sie leer gewesen sind.

Eben deshalb war die Handlung dann auch ein bisschen vorhersehbar. Gleichzeitig wurde vieles bis zum Ende hin offen gelassen. Meines Erachtens ein bisschen zu viel. Mehr Klärung hätte nicht geschadet und die Neugier auf die Folgebände sicher nicht getrübt.
So bin ich jetzt nach dem ersten Teil ein wenig hin und her gerissen. Zwar hat der Roman mir ganz gut gefallen, einen superstarken Eindruck hat er aber nicht hinterlassen. Er ist solide, aber sicherlich noch ausbaufähig.

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