Freitag, 6. Dezember 2013

[Film] Carrie (2013)


Wie sehr habe ich mich darüber gefreut, als ich darüber las, dass Stephen Kings Erstlingswerk Carrie neu verfilmt wird.
Zum Inhalt:
Carrie White wünscht sich, ein Mädchen wie jedes Andere zu sein. Doch ihre Mutter, eine religiöse Fanatikerin, hält sie von den Anderen fern und macht Carrie zur Außenseiterin. Als Carrie nach dem Sportunterricht in der Umkleide das erste Mal ihre Regelblutung bekommt und glaubt, sie verblutet, wird sie von den Mitschülern ausgelacht. Falls bisher nicht, wird sie jetzt erst recht als Freak bezeichnet, und einige Mitschüler hecken einen perfiden Plan aus, um Carrie vor der gesamten Schule bloßzustellen. Doch Carrie ist ein besonderes Mädchen. Nicht nur ist sie sozial verkümmert und komplett von ihrer Mutter abhängig, sie hat auch telekinetische Fähigkeiten, die sie allmählich zu kontrollieren lernt.



Zum Film möchte ich zuerst ein paar positive Sachen sagen:
Ich fand gut, dass die Geschichte relativ gut in die heutige Zeit übertragen wurde. Carries Bloßstellung in der Umkleide wird gefilmt und viral verbreitet, sodass bald die gesamte Stadt von dem Geschehnis weiß. Ein paar Mitschüler erstellen einen Account im Internet; darin ist Carries Lieblingsdrink ein Bloody Mary usw.
Gut hat mir außerdem die Darstellung der Mutter, gespielt von Julianne Moore, gefallen. Die Geburt Carries ist meiner Erinnerung nach neu dazu gedichtet worden, fügt sich allerdings gut in das Gesamtwerk ein und bringt den Wahnsinn der Mutter noch viel besser zur Geltung. Die Handlungen der Mutter sind in dem Film sehr gut und erschreckend dargestellt - mich haben sie total überzeugt.
Auch das Triezen Carries in der Schule war glaubwürdig. Durch den schon erwähnten Medienbezug wirkt die Geschichte aktueller und realistischer - viel zu oft hört man davon, dass Prügeleien gefilmt und dann verbreitet werden. Natürlich sind die Figuren hier sehr stereotyp gehalten (der überall beliebte Sportler, die böse Bitch usw.). Doch darüber lässt sich hinweg sehen, wenn man Carries Entwicklung betrachtet. Als Zuschauer fiebert man mit ihr mit und freut sich genauso, wenn sie zum Abschlussball eingeladen wird (auch wenn mir das Ende schon bekannt war).
In diesen beiden Bereichen gab es meiner Meinung nach viele Horrorelemente, die nicht durch Jump-Scares oder blutige Morde hervorgerufen wurden, sondern auf rein psychischer Ebene abliefen. Im Buch ist es natürlich noch viel stärker hervorgetreten, hier aber gut umgesetzt.

Was mir gar nicht gefiel, waren die letzten 15 Minuten des Films.
Da macht der Film nämlich einen großen Wandel von einem Psychodrama zu einem Splatterfilm. Carrie mordet, was das Zeug hält, und die meisten Morde werden explizit gezeigt. Das war in meinen Augen unnötig und hat zu einem großen Bruch im Film geführt. Stand vorher Carries Gefühlswelt im Vordergrund, wird sie hier plötzlich zur eiskalten Killerin, welche nicht im Affekt tötet, sondern sich relativ grausame Todesarten überlegt. Es ist bei mir schon eine Weile her, dass ich das Buch gelesen habe (6 Jahre), allerdings hatte ich damals das Gefühl, dass Carrie wegen der Enttäuschung und Erniedrigung ihre Kräfte ungefiltert nach draußen lässt, welche zur Zerstörung der Stadt führen. Hier geht Carrie aber planmäßig vor, und das hat für mich der bisherigen Figurenzeichnung sehr widersprochen.
Außerdem waren in diesem Teil die  CGI-Effekte zu stark und daher unecht. Plötzlich musste alles explodieren, und ich glaube, dass selbst der Überguss mit dem Blut nicht echt war. Es sah sehr künstlich aus, und das an Stellen, an denen es nicht sein musste.
Doof fand ich auch noch, dass Carrie immer ganz viel mit den Armen wedeln musste, um ihre Kräfte einzusetzen. Ja, ich weiß, dass es ein Film ist und ich keinen Eingang in die Gedankenwelt der Figur habe, aber manchmal sah es echt lächerlich aus und erinnerte an den Last Airbender.

Nicht unbedingt negativ, aber schade, finde ich, dass die Berichterstattung zwar am Ende kurz aufgegriffen, aber nicht weitergeführt wurde. Das Buch besteht aus Augenzeugenberichten, die der Handlung einen gewissen Realitätsanspruch geben. Im Film gibt es am Ende eine Gerichtsverhandlung inkl. Zeugenbericht, der hätte aber etwas länger ausfallen können.

Der Film wird streckenweise sehr langatmig erzählt. Ich persönlich habe das aber sehr genossen, weil ich mich so besser mit Carrie identifizieren konnte. Dafür war das Ende dann viel zu schnell. Ein paar Minuten mehr hätten es da auch getan.


Fazit:
Der Horror in Carrie gründet sich nicht auf die Zerstörung einer Stadt durch die telekinetischen Fähigkeiten eines Mädchens, sondern in der Person Carries selber. Man hat Mitleid mit ihr und kann ihr eigentlich gar nicht richtig böse sein für das, was sie tut. Denn sie ist ein Opfer ihrer Mutter und ihrer Mitschüler. Natürlich muss man da nicht gleich so extrem werden, aber Carrie ist verletzt und lässt ihren Gefühlen freien Lauf, was in dem großen Feuer resultiert. Die Formung von der Figur Carries durchzieht sich durch den gesamten Roman, sodass man am Ende doch das Gefühl hat, dass das Ende unausweichlich ist, und dass man netter zu seinen Mitmenschen sein sollte.

Der Film legt seinen Fokus leider mehr auf den actiongeladenen Showdown, welcher durch die Spezialeffekte und den übermäßigen Bluteinsatz fehl am Platz wird. Eigentlich schade, denn der Großteil des Films hat mir sehr gut gefallen.

1 Kommentar:

  1. Salve,
    persönlich habe ich ja bislang noch keine der Verfilmungen von Carrie gesehen, allerdings scheint ja gerade die Neuverfilmung die Geister zu spalten.
    Wenn ich so deine Rezension lese, habe ich allerdings doch so meine Zweifel, da der Einsatz der "neuen" Medien zwar eine gute Methode ist, die Geschichte in die heutige Zeit zu übertragen, ich bei sowas aber oftmals dieses Gefühl eines "erhobenen Zeigefingers" bezüglich der Thematik bekomme, zumal gerade das Zurückversetzen in eine vergangene Zeit (die ich selbst nichtmal erlebt habe) einen gewissen Reiz bei der Buchvorlage für mich ausgemacht hat.

    Wenn ich mir so den Trailer ansehe, wirkt mir Carrie fast schon ein wenig zu normal. Nicht nur, dass ich sie optisch anders im Kopf gehabt hätte, das wäre ja noch vertretbar, aber diese Gedanken, die im Trailer aufgegriffen werden, erinnern mich irgendwie zu sehr an typisch-amerikanische Highschool-Filme. Warum genau, vermag ich gar nicht richtig in Worte zu fassen, da die Aussagen inhaltlich doch schon in gewisser Weise zu Carrie passen, aber die Art, wie die Nachrichten vermittelt werden, hinterlassen - zumindest beim Ansehen des Trailers - irgendwie einen unschönen Beigeschmack bei mir.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Seitenfetzer

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