Sonntag, 12. Januar 2014

Thomas Mann: Buddenbrooks

 

»Es ist eine hervorragende Arbeit, redlich, positiv und reich«, urteilte S. Fischers Lektor Moritz Heimann nach der Lektüre des Manuskripts über Thomas Manns ersten Roman, seinen wohl am meisten gelesenen, am meisten verbreiteten. ›Verfall einer Familie‹ – sein Untertitel scheint ihn einzureihen in eine bestimmte Gattung, aber »der Zug zum Satirischen und Grottesken«, der darin steckt, hebt ihn zugleich davon ab, gibt ihm einen eigenen Charakter, eigene Wirkung bis in die Gegenwart. 

Thomas Mann erzählt nur wenig verschlüsselt die Geschichte seiner Familie und ihrer Stellung in der Vaterstadt Lübeck, soweit er sie nachvollziehen, in Einzelheiten überblicken konnte, ja sogar noch miterlebt hat. Verwandte, Honoratioren und markante Persönlichkeiten seiner Jugend werden integriert. Den meisten Raum nimmt das Leben Thomas Buddenbrooks ein, »ein modernes Heldenleben«; sein Sohn Hanno wird einen langen Strich unter die Genealogie der Familie setzen und sich rechtfertigen mit den Worten: »Ich glaubte ... ich glaubte ... es käme nichts mehr ...« 
In den mehr als hundert Jahren seit seinem ersten Erscheinen hat der Roman unzählige Menschen in seinen Bann gezogen und hat bis heute nichts an Charme und Aktualität eingebüßt.




Erzählt wird die Geschichte der Kaufmannsfamilie Buddenbrook, welche ihre Hochs und Tiefs hat und sich letztendlich selber zu Grunde richtet.

Der Roman zeichnet sich durch eine hohe Detailtreue aus, sodass Mann ein Abbild der damaligen Zeit schafft und die Erzählung wirklich werden lässt.

Die Figuren dagegen erscheinen entweder als recht distanziert oder unausstehlich. Jede hat ihre eigenen Macken und Ambitionen, welche meisten gegen den Willen der Familie gehen. Die Familie als Kollektiv ist mächtig; die Buddenbrooks-Familie ist eine ehrwürdige, deren Ruf es gilt, weiter zu tragen. Doch ebendiese Generation, welche wir in diesem Roman betrachten, richtet die Familie zu Grunde. Dies geschieht teilweise unverschuldet durch unerwartete Todesfälle, doch zu großen Teilen ist der Untergang selbstverschuldet durch festgefahrene Ansichten und das Unvermögen, sich mit den Menschen hinter den Namen auseinanderzusetzen.

Die Konflikte, die hier geschildert werden, sind glaubwürdig und werden zu einer Teufelsspirale, aus der es kein Entrinnen gibt. Leider sind die meisten Figuren so fern oder unsympathisch geschildert, dass man sich weder mit ihnen identifizieren, noch großartig mit ihnen mitfühlen kann. So waren mir die Todesfälle egal, und den Untergang einer alten Familie finde ich zwar insgesamt tragisch geschildert, die Einzelschicksale interessieren aber herzlich wenig.

Teilweise war der Roman auch einfach sehr lang und hat sich in manchen Details verloren.
Einmal gelesen sollte man den Roman auf jeden Fall, da er ein so tolles und glaubwürdiges Bild der damaligen Zeit schafft und Mann ein Meister der Beschreibungen ist, Spaß gemacht hat mir das Lesen dann aber doch nicht allzu sehr, dass ich es immer und immer wieder lesen will.

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