Dienstag, 4. März 2014

Stieg Larsson: Verblendung (Millennium 1)




Was geschah mit Harriet Vanger? Während eines Familientreffens spurlos verschwunden, bleibt ihr Schicksal jahrzehntelang ungeklärt. Bis der Journalist Mikael Blomkvist und die Ermittlerin Lisbeth Salander recherchieren. Was sie zu Tage fördern, lässt alle Beteiligten wünschen, sie hätten sich nie mit diesem Fall beschäftigt.



Nachdem sich Mikael Blomkvist mit einem Wirtschaftshai angelegt und verloren hat, kommt es ihm gerade recht, als er das Angebot aus Hedestad bekommt, an einer Familienchronik mitzuarbeiten. Doch schnell stellt sich heraus, dass es sich nicht nur um eine einfache Familienchronik handelt und schon gar nicht um eine einfache Familie. Lisbeth Salander ist Hackerin und in ihrem Beruf an der absoluten Spitze. Sie gilt als Verrückte und ist Mündel des Staates. Als Mikael Blomkvist bei seinem Fall nicht mehr weiter kommt, werden die beiden zu einem ungewöhnlichen Ermittlerpärchen, welches Schreckliches aufdeckt.


Gleich zu Anfang ist mir aufgefallen, wie krimi-/thrilleruntypisch der Roman losgeht. Es gibt kein Verbrechen, geschweige denn Mord. Alles fängt mit der Sendung einer Blume an, die für den Empfänger eine ganz besondere Bedeutung hat.

Die Protagonisten Blomkvist und Salander werden sehr langsam eingeführt, sodass man sich bereits zu Anfang ein ziemlich genaues Bild von ihnen machen kann. Besonders interessant finde ich außerdem, dass sich ihre Wege erst relativ spät im Roman kreuzen, sie aber vorher schon ähnliche Interessengebiete haben und später als Ermittlerteam so bekannt sind.

Ganz toll finde ich, wie journalistisch akribisch die Recherche bzw. die Untersuchung des Verbrechens stattfinden. Dabei tritt Blomkvists Journalistennatur zu Tage, aber sicherlich auch die des Autors, Stieg Larsson. Es findet sich also eine große Detailtreue, die bei der Masse überhaupt nicht langweilig wird. Vielmehr wirkt es wie ein 2000-teiliges Puzzle, welches nach und nach zusammengebaut wird. Nachdem man die ersten Teile zusammengesetzt hat, wird es immer einfach, doch erst am Ende ist das große Ganze erkennbar.


Blomkvist und Salander bilden ein Ermittlerteam, welches ungleicher nicht sein könnte. Und doch harmonieren sie auf ihre ganz eigene Weise. Blomkvist versucht, Salanders harte Schale zu brechen, sie versucht, sich gegen seine Annäherungsversuche zu wehren. Geht es um das Geschäftliche sind beide voll bei der Sache.


Neben meiner Begeisterung findet sich ein kleiner Negativpunkt in dem sonst umwerfenden Werk. Das Hauptverbrechen wird geklärt, danach gibt es noch 100 weitere Seiten, in denen die "Rahmenhandlung", Blomkvists Fehde mit Wennerström, zu einem Ende gebracht wird. Weil die Haupthandlung abgeschlossen war, vor allem, was den Spannungsbogen anbelangt, hat sich das Ende ein wenig gezogen. Die Wennerström-Affäre war während Blomkvists Zeit in Hedestad zu wenig Thema, als dass es am Ende noch so großartig interessiert hätte. Besser wäre es eventuell gewesen, ein paar Erkenntnisse diesbezüglich einzustreuen, um diesen Aspekt nicht voll und ganz aus den Augen zu verlieren.

Ansonsten handelt es sich aber um einen wirklich großartigen Roman, der in seiner Detailtreue immer noch superspannend ist und vor allem mit Lisbeth Salander eine wirklich interessante Ermittlerin zu Tage fördert.

Die Folgebände heißen:
Verdammnis (Flickan som lekte med elden)
Vergebung (Luftslottet som sprängdes)

Stieg Larsson hatte ursprünglich geplant, ganze 10 Teile für die Millennium-Reihe zu schreiben, leider ist er dann frühzeitig gestorben. Sein vierter Roman war allerdings offenbar schon fast fertig gestellt, sodass er von einem anderen Schriftsteller beendet und veröffentlich werden soll.

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