Montag, 7. April 2014

Clemens Meyer: Im Stein



Engel, Prostituierte und Geschäftsmänner kämpfen um Geld und Macht und ihre Träume. Schonungslos und zärtlich schreibt Clemens Meyer von den Menschen, den Nachtgestalten, von ihrem Aufstieg und Fall, vom Schmutz der Straße und dem Fluss des Geldes. Ein vielstimmiger Gesang der Nacht. Mit großer Kraft und Emotion erzählt er die Geschichte einer Stadt, die zum Epochen-Roman unserer Zeit wird.



Der Roman erzählt aus der Sicht verschiedener Personen: einer Prostituierten, eines Wohnungsvermieters (für Prostituierte) eines Kommissars und einiger mehr. Handlungsort und -zeit sind oftmals unklar, sodass die Erzählung teilweise etwas wirr und auch belanglos erscheint. Die Handlung wurde nicht wirklich vorangetrieben, und es gibt keinen gut zu folgenden Erzählstrang.
Trotzdem war das Buch ziemlich gut. Warum? Wegen der der Thematik:

"Scheint es nicht absurd, dass der Sex überall regiert, in allen Medien, im Internet, in der Werbung, überall, dass aber das uralte Gewerbe der Prostitution immer noch gesellschaftlich geächtet ist. Oder ist es das nicht, und ich sehe das falsch?" (S. 489)

Der Roman behandelt ein Tabu, welches entweder als Tabu behandelt oder stark abgewertet wird. Clemens Meyer geht hier ganz anders vor: Er beschreibt die Arbeit als Prostituierte wie jeden anderen Beruf auch. Es gibt eine Firma und feste Arbeitszeiten. Die Sexarbeiterin, aus deren Sicht erzählt, macht den Job halbwegs gerne (aber wie viele Leute in anderen Berufen machen ihre Jobs ungerne?), ein Vorteil ist für sie definitiv das Geld. Sie bezahlt Geld an ihren Vermieter und ist ansonsten relativ unabhängig. Sie entscheidet, welche Dienste sie anbietet, und hat ihre festen Regeln. Das Bild einer selbstbestimmten Sexarbeiterin ist selten, sodass alle Informationen über sie und ihre Arbeit höchst interessant waren.

Meyer erzählt von Dingen, von denen nicht oft erzählt wird. Er tut dies auf eine unvoreingenommene Weise, so kann der Leser selber entscheiden, was er von der Sache halten kann.
Der Roman ist witzig und ernst zugleich; man muss sich ein bisschen Zeit mitnehmen, aber die Lektüre lohnt sich.

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