Montag, 14. April 2014

Michel Houellebecq: Plattform


"Plattform" protokolliert erbarmungslos ein Leben: Tristesse, Liebesglück und tragischen Tod. Der Erzähler Michel ist Beamter im Kultusministerium. Vierzig, farblos, frustriert und nach Dienstschluss einsamer Peep-Show-Erotomane und Experte im TV-Zappen. Die Urlaubspauschalreise ins Traumland Thailand verspricht diesem "ziemlich mittelmäßigen Individuum" paradiesisches Glück und Erlösung: Sexgenuss mit Asiatinnen. Die Mitreisende Valerie, eine erfolgreiche Managerin in der Tourismusindustrie, lernt er erst nach der Rückkehr ins lieblose Paris wirklich kennen - und mit ihr ein tiefes menschliches Glück voller Obsessionen, und ohne Bezahlung.
Zusammen erfinden Valerie und Michel ein rettendes Programm für die Reisebranche, die Plattform zum Glück: Wenn mehrere hundert Millionen alles haben, bloß kein sexuelles Glück, und mehrere Milliarden nichts haben als ihren Körper, dann ist das "eine Situation des idealen Tauschs". Michel und Valerie wollen die verlorene Liebesfähigkeit des Westens in neuartigen Ferienclubs organisieren. Aber das gemeinsame Glück, nach dem Houellebecqs Erzähler Michel verzweifelt sucht, wird bei einem terroristischen Anschlag in Thailand von Islamisten zerstört.




Da der Klappentext so viel verrät, dass sogar vom Ende berichtet wird, spare ich mir an dieser Stelle eine Inhaltszusammenfassung meinerseits.

"Plattform" ist nicht für jedermann. In der Figur des Michel findet sich eine Person, welche von der Welt enttäusch ist und der somit alles egal ist. Seine einzige Erfüllung scheint er in seinen Sexabenteuern zu finden, welche ziemlich ausführlich beschrieben werden. Es fiel mir schwer, mich mit ihm zu identifizieren, da er größtenteils auf seine Triebe reduziert wird und ansonsten kalt und abweisend ist. Auch die anderen Figuren bleiben ziemlich unnahbar, sodass der Roman zeitweise sehr steril erscheint.

Der Roman setzt sich mit Tabuthemen wie Sextourismus auseinander: Kann man darüber reden? Kann man offiziell Reisetouren anbieten, welche nur diesem Zweck dienen? Wer macht bei so etwas mit? Wie groß wird der Medienrummel sein? Das Gedankenexperiment ist interessant, scheitert am Ende allerdings. Ärgerlich dabei war die eintretende Katastrophe, welche in diesem Falle einfach viel zu sehr aus der Luft gegriffen war. Die Handlung und auch der Roman findet ein jähes Ende mit Michel, der sich wieder am Anfang befindet, wenn nicht sogar noch viel weiter zuvor.

Ich tue mich ein bisschen schwer mit einer Leseempfehlung: Einerseits ist das Buch ganz amüsant und flüssig zu lesen, andererseits könnten sich "zärtere Gemüter" ein bisschen überfordert fühlen. Man kann den Roman gelesen haben, muss es aber nicht.

1 Kommentar:

  1. Hey,

    war jetzt einfach mal so frech und habe dich getaggt: http://anneblogt.de/?p=1422

    LG
    Anne

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