Freitag, 18. April 2014

Thomas Morus: Utopia



Ein Klassiker der politischen Philosophie, dessen Deutung immer noch umstritten ist. Handelt es sich um eine paradiesische Ausmalung der Neuen Welt, eine zweite Politeia, einen Aufruf zur politischen Reform? Es kommt auf den Standpunkt an: sei er nun sozialistisch, heidnisch, machtpolitisch, kapitalistisch, reformerisch oder idealstaatlich. Anspruch auf eine umfassende Interpretation kann nur derjenige erheben, der sie alle gleichermaßen berücksichtigt.



Die Freunde Peter Aegidius und Thomas Morus treffen sich in Antwerpen, wo ersterer von einem Reisenden erzählt, der so manch spannende Entdeckung gemacht hat. Sie bitten diesen, ihnen von seinen Reisen zu erzählen. Die Erzählung des Raphael Hythlodeus über das legendäre Utopia wirft zahlreiche Fragen auf, die im ersten Buch versucht werden, zu beantworten. Wie müsste ein perfekter Staat organisiert sein? Demokratie oder Monarchie? Kommunismus oder Kapitalismus? Religion: Ja oder Nein? Wenn ja, welche? Im zweiten Buch, welches den Staat Utopia genauer vorstellt, wurde das Ideal verwirklicht. Die Utopier sind mit ihrem Leben zufrieden. Alle Menschen arbeiten und erhalten ihren Lohn dafür (nicht in Form von Geld). Sie tragen alle dieselbe Kleidung, können also nicht eifersüchtig aufeinander sein. Sie leben bescheiden und häufen Luxusgüter lediglich zum Handeln an. Kriege gewinnen sie meistens mit List; nur selten müssen eigene Utopianer kämpfen.
Aber kann das alles so einfach funktionieren?

Ich glaube, nein, und das aus zwei Gründen. Erstens handelt es sich bei dem Roman um eine Beschreibung Utopias. Hythlodeus beschreibt die Strukturen des Staates und das Leben der Bewohner. Ausgespart werden aber tatsächliche Handlungen. Es bleibt unklar, ob die Staatsstruktur kritiklos funktioniert und ob die Utopianer tatsächlich glücklich sind. Zweitens glaube ich, dass so ein Staat aufgrund des menschlichen Wesens nicht möglich ist. So wie die Utopianer beschrieben werden, empfinden sie solche Laster wie Eifersucht und Neid nicht. Ich denke aber, dass das nicht möglich ist. Es liegt im Wesen des Menschen, sich von anderen durch irgendetwas abheben zu wollen.
Drittens wird schon in der Beschreibung deutlich, dass sich der Text selber nicht allzu ernst nimmt: Zwar bezeichnen sich die Utopier als Pazifisten, die nur im allergrößten Notfall Krieg führen, ihre Gründe für einen Eintritt in den Krieg sind dann aber doch sehr zahlreich.

So bleibt das Utopia des Thomas Morus eine Utopie, welche zwar einen perfekten Staat darstellt, aber wohl leider nicht in der Realität umzusetzen ist. Dafür ist der Mensch viel zu egoistisch veranlagt.

Interessant ist natürlich die Tradition, in welcher sich dieser Roman befindet. Utopien hat es schon in der Antike gegeben (auch wenn Morus dieser Erzählweise erst seinen Namen gegeben hat), heute sind es aber vielmehr die Dystopien, welche interessieren. Eine Welt, die am Anfang als eine gute Alternative erscheint, in der aber schnell ihre Fehler offenbar werden. Beispielhaft dafür sind natürlich George Orwells 1984, Ray Bradburys Fahrenheit 451 oder auch Aldous Huxleys Brave New World. Heutzutage sind Dystopien anscheinend die neuen Romantasy-Romane. In einer Welt, die Gefühle oder eigenes Denken nicht erlaubt, verlieben sich zwei Leute ineinander und trotzen damit dem System.
Ich persönlich liebe Dystopien und hoffe, dass uns dieser Trend noch lange erhalten bleiben wird!
 

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