Dienstag, 7. Oktober 2014

Virginia Ironside: Nein! Ich will keinen Seniorenteller! Das Tagebuch der Marie Sharp

 Quelle: randomhouse.de

Ein wunderbar komisches Lesevergnügen!
Herbst des Lebens? Generation Silber? Unsinn! Marie Sharp wird demnächst sechzig und denkt gar nicht daran, das zu beschönigen. Im Gegenteil: Sie findet, das ist ein Grund zum Feiern.
Schon wegen all der Dinge, die sie jetzt nicht mehr tun muss, wie etwa Volkshochschulkurse besuchen. Nichts hasst Marie so sehr wie umtriebige Senioren, die nur so alt sind, wie sie sich fühlen. Sie hingegen stürzt sich kopfüber in das Vergnügen, nicht mehr jung sein zu müssen. Dazu gehören ihre neue Rolle als Großmutter und eine alte Liebe. Denn Maries Jugendschwarm ist wieder zu haben.



Marie Sharp zählt sich zu den wenigen Damen, die sich auf den 60. Geburtstag freuen. Sie sieht keinerlei Nachteile darin, jetzt zu den Senioren zu zählen. Als ihr dann auch noch verkündet wird, bald Großmutter zu werden, zählt sie sich zu den glücklichsten Frauen der Welt. Ihr Tagebuch bildet ca. ein Jahr aus ihrem Leben ab.

Wie der Untertitel schon sagt, handelt es sich hier um Tagebucheinträge der Protagonistin. Daran knüpft direkt mein größter Kritikpunkt an. Ich weiß ja nicht, wie die meisten Leute ihre Tagebücher füllen. Ich schreibe jedenfalls keine Dialoge Eins zu Eins ab, geschweige denn E-Mails. Der Roman hätte ebenso gut als Erzählung aus der Ich-Perspektive durchgehen können, so wenig Tagebuchcharakter hatte der Großteil. Das einzig gute daran waren die random thoughts, die immer mal wieder eingestreut sind. Ansonsten war das für mich kein Tagebuch. Auch fand ich das Ende deswegen unbefriedigend. Der Roman hört ganz "normal" mit einem Cliffhanger auf, aber macht das ein Tagebuch auch? Für mich endet ein Tagebuch, wenn alle Seiten vollgeschrieben sind oder ich aus irgendeinem Grund pausiere oder ganz mit dem Schreiben aufhöre. Doch so einen Hinweis gibt es überhaupt nicht. Und dahin ist die Tagebuchillusion ...

Die ersten 15 Seiten habe ich mich köstlich amüsiert. Dann hat das Buch aber schon sehr schnell an Reiz verloren. Ich finde, dass es einfach viel zu lang geraten ist. Zwar gibt es einen roten Faden und das Ende schließt die Handlung erstmal ab, trotzdem konnte mich das Buch nicht bei der Stange halten. Ein paar Passagen waren witzig, andere aber eher langweilig. Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht so ganz in die Zielgruppe des Romans gehöre, aber mir hat er nicht allzu gut gefallen. Ich habe zwischendurch überlegt, ihn abzubrechen (was ich so gut wie nie mache), verpasst hätte ich nicht viel.

Die Charaktere waren auf der einen Seite vielschichtig, sind teilweise aber trotzdem eher blass geblieben.
Protagonistin Marie freut sich auf das Altsein und entsagt völlig dem Sex. Dumm nur, dass sie die meiste Zeit über nichts anderes schreibt. Die Passagen mit Gene, Maries Enkelkind, waren sehr warm und vertraulich. Diese haben mir sehr gut gefallen, weil ich glaube, dass die Autorin hier gut die Großmuttergefühle abgebildet hat.
Am besten hat mir Hughie gefallen, der krebskranke Freund, welcher so gar nicht unglücklich darüber ist, die Welt bald zu verlassen. 

So viel kann ich zu dem Buch nicht sagen, außer dass es mich wirklich nicht sonderlich überzeugen konnte. Es gab zwar einige lustige Stellen, aber dafür doppelt so viele eher langweilige Passagen. Besonders enttäuschend fand ich, dass die Tagebuchform ständig aufgebrochen wurde.


Das Tagebuch der Marie Sharp:
Nein! Ich will keinen Seniorenteller!
Nein! Ich gehe nicht zum Seniorentreff!
Nein! Ich möchte keine Kaffeefahrt!

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