Donnerstag, 13. November 2014

Richard Bachman: Amok

Quelle: wiki.stephen-king.de


Mit psychologischem Raffinement und stilistischer Brillanz inszeniert Horror-Spezialist Richard Bachman alias Stephen King ein durchsichtiges Labyrinth von Hass und Gewalt: ein Wahrheitsspiel mit tödlichen Folgen.
Eine High-School in Maine: Nach einem Gespräch mit dem Rektor erschießt der Schüler Charles Decker seine Lehrerin und nimmt seine Mitschüler als Geisel. Sein Amoklauf löst in der Klasse ein unheimliches Psychospiel aus, das unbewusste Konflikte und Traumata mobilisiert. Die Schüler steigern sich in unkontrollierte Wut hinein, bis es zur Katastrophe kommt ...



Charles Decker ist von sich selber überzeugt, dass er übergeschnappt ist. Deswegen ist es für ihn eine ganz natürliche Reaktion, nachdem er einige Wochen zuvor bereits einen Lehrer mit einem Schraubenschlüssel niedergeschlagen hat, nun eine Waffe mit in die Schule zu nehmen, seine Lehrerin zu erschießen und sich mit seinen Mitschülern im Klassenzimmer zu barrikadieren. Doch der Amoklauf verläuft anders, als man denken mag ...

Wer "Amoklauf" oder "Geiselnahme" hört, verbindet direkt damit bestimmte Bilder. Menschen, die sich panisch in den Ecken verstecken und kaum wagen, zu atmen, zum Beispiel. Anders hier. Als die erste Person stirbt, probiert es eine Schülerin mit entsetztem Schreien und stößt damit auf wenig Anklang.
Die Schüler haben zwar Respekt vor Charles, vor allem interessiert sie aber seine Geschichte. Was hat ihn dazu bewegt, seit Wochen mit einer Pistole in der Schule herumzulaufen und gerade heute in Aktion zu treten? Charles erzählt Geschichten aus seiner Kindheit. Darin wird vor allem die Angst vor seinem Vater deutlich, welchen er mit allem Schlimmen verbindet. Doch er ist nicht der einzige, der von sich erzählt. Auch die anderen Schüler decken ein Geheimnis nach dem anderen auf und gehen mit den anderen nicht unbedingt zimperlich um.
Die Schüler fühlen sich nicht wirklich bedroht, stattdessen beobachten sie interessiert das Geschehen, wenn immer mehr Polizeiautos anrücken oder Erwachsene versuchen, mit Charles zu reden. Es gibt nur eine Person, die sich der Ernsthaftigkeit der Situation bewusst zu sein scheint: Ted. Dass er nicht mitspielt, wird er später noch bereuen.

Ich fand diesen Bachman-Roman überaus interessant. Die Schüler reagieren überhaupt nicht so, wie man es erwartet, sodass die Handlung schwer vorherzusehen ist. Die gesamte Situation erscheint surreal und irgendwie auch ein bisschen komisch. In dem Klassenraum scheint es eine ganz andere Welt mit ihren eigenen Regeln zu geben, welche sich stark von denen in der realen Welt unterscheiden. Der Amoklauf erscheint vielmehr wie ein Traum oder eine Fantasie, so irreal wirkt er.

Ich kann mich nicht so ganz entscheiden, ob ich Amok mag. Der Roman ist mit knapp 220 Seiten kurzweilig und amüsant. Die Reaktionen der Figuren waren mir aber so fremd, dass ich mich beim Lesen ein wenig unwohl gefühlt habe. Der Amoklauf hat in den Figuren das wahre Ich hervorgerufen, welches nicht immer schön im Spiegel anzusehen ist.
Der Horror geht in diesem Buch nicht von dem Amoklauf an sich aus, sondern von den Reaktionen der Schüler. Wie sie mit der Situation umgehen, macht den Roman zu einem psychologischen Albtraum.

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