Dienstag, 24. Februar 2015

Yann Martel: Schiffbruch mit Tiger

Quelle: fischerverlage.de


Seit dem Booker-Preis für Yann Martel 2002 eroberte der Roman "Schiffbruch mit Tiger" die Welt. Überall Platz 1 der Bestsellerliste, mehrere Millionen verkaufte Bücher. Alle Herzen gehörten dem schiffbrüchigen Pi, der sich mit einem Tiger allein im Pazifik auf einem Rettungsboot wiederfindet. Fantastisch, verwegen, atemberaubend. Wahnsinnig komisch. Eine Geschichte, die Sie an Gott glauben lässt.

Pi Patel, überzeugter Hinduist, Moslem und Christ, ist mit seiner Familie und einem Zoo auf der Schiffsreise von Indien nach Kanada. Unerwarteterweise sinkt das Schiff, und Pi findet sich an Bord eines Rettungsbootes wieder, was ungewöhnlichere Passagiere nicht haben könnte: einen Tiger, einen Orang Utan, eine Hyäne und ein Zebra. Was tun, wenn man mit wilden Tieren auf engstem Raum zusammengepfercht ist? Fest steht, Pi gibt nicht auf und arrangiert sich mit Richard Parker, dem bengalischen Tiger.



Das Buch in einem Wort: Wow.
Ich hoffe, ich werde es in dieser Rezension auch nur ansatzweise schaffen, meine Begeisterung für dieses Buch in Worte zu packen und ihm damit irgendwie gerecht zu werden. Ich habe vor einigen Monaten bereits die Verfilmung gesehen, doch diese verblasst im Angesicht dieses Meisterwerks.

Pi ist eine Figur, die ganz speziell ist. Er hält sich nicht zwingend an Konventionen, sondern tut das, was er für richtig hält. So sieht er es überhaupt nicht als Problem an, gleich drei Religionen anzugehören. Er geht zur Messe, betet nach Mekka und pflegt auch die hinduistischen Rituale. Er ist wissbegierig und gibt sich nicht unbedingt mit dem zufrieden, was die Menschheit als normal ansieht. Er gibt nicht auf. Auch wenn man denkt, seine letzte Stunde habe geschlagen, schafft er es immer wieder, sich wieder aufzuraffen. Sein Lebenswille ist geradezu ansteckend. Und als ihn dann dieser irgendwann zu verlassen scheint, bricht die Welt nicht nur für ihn zusammen. Beim Lesen habe ich mich ihm so nahe gefühlt und ich hätte ihm am liebsten irgendwie unter die Arme gegriffen, damit er diese riesige Last nicht alleine tragen muss.

Das Buch erzählt nicht bloß eine Geschichte, sondern hat etliche Diskurse über Biologie, artgerechte Haltung von Tieren, Schiffsfahrt, das Überleben auf dem Meer und vielem mehr. So macht es den Leser um einiges reicher. Man erlebt nicht nur eine spannende Handlung, sondern setzt sich mit Dingen auseinander, die vorher nie als wichtig erschienen sind. Ob man beim Lesen den Glauben an Gott gewinnt, wie es Pi verspricht, weiß ich nicht, aber man nimmt definitiv etwas mit.

Pi erzählt uns zwei Geschichten, um am Ende stehen wir vor der Wahl: Welche hat uns besser gefallen? Die aberwitzige, in der Pi es mehrere Monate lang mit Richard Parker auf dem Rettungsboot ausgehalten hat? Oder die, in der keine Tiere mit ihm am Bord waren, sondern Menschen, die auf ihre niedersten Instinkte zurückgegriffen haben und von denen sich Pi als der willensstärkste hervorgtan hat?
Für mich steht fest: die mit dem Tiger. Denn alles andere würde mich mit Pi in Abgründe führen, aus denen ich nicht so schnell fliehen könnte.

Klare Leseempfehlung von mir, würde ich Punkte vergeben, wären es 12 von 10 Punkten, also ran an den Speck - äh - das Buch!


Trailer zum Film:

Kommentare:

  1. Ich fand das Buch auch extrem gut. Ein bisschen verstörend, aber einfach echt gut.

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    1. Ja, über manche Dinge wollte ich mir gar keine genauen Gedanken machen :P

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  2. Ich fand sowohl Film als auch Buch genial! Ehrlich, ein Meisterwerk! Der Film ist auch wahnsinnig gut, so viele Bilder....eine echt geniale Rezi!
    Liebe Grüße, Rachel

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    1. Ich bin immer noch enttäuscht, dass ich damals niemanden hatte überzeugen können, mit mir ins Kino zu gehen. Ich konnte den Film dann nur im Fernsehen sehen, dabei ist er ja so unglaublich bildgewaltig.

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  3. Ich habe blöderweise erst den Film gesehen und den fand ich nicht so gut... Aber das ist ja meistens so, dass die Filme nie das rüberbringen wie im Buch. Von daher müsste ich der Geschichte vielleicht doch nochmal eine Chance geben?! :-D

    Liebe Grüße, Line
    www.line91blog.blogspot.de

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    1. Ich fand den Film schon mega, aber das Buch legt noch einmal eine ganze Schippe drauf!

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