Montag, 16. März 2015

Marquis de Sade: Die 120 Tage von Sodom

Quelle: amazon.de

Skandalös, behaupten die einen. Schmerzhaft notwendig, sagen die anderen. Die "120 Tage" des "göttlichen Marquis" polarisieren wie kaum ein zweites Werk der Weltliteratur. Vier Ehrenmänner halten 42 Frauen und Knaben auf einem Schloß gefangen und beraten, was mit ihnen zu tun sein. Da sie sich unbeobachtet wähnen, erliegen sie ihren Gelüsten und Begierden.
Ungeachtet der Diskussionen, die das Buch auch heute noch auslöst, ist der Roman längst ein literarischer Klassiker, an dem niemand vorbeikommt, dem an einer rückhaltlosen Selbstaufklärung des Menschen gelegen ist. 

Vier ältere Herren, die sich ganz ihrer Lust hingeben wollen, lassen Mädchen und Jungen, Männer und Frauen verschiedener Altersklassen auf ihr Lustschloss schicken. Jeden Tag werden fünf Geschichten erzählt, welche stetig an Perversität zunehmen. Natürlich bleiben die Männer nicht unberührt und vergreifen sich nach Lust und Laune an ihren Opfern. Und das 120 Tage lang.


Ja ja, der gute alte Marquis de Sade. Ihm und seinem Werk ist es zu verdanken, dass der Begriff "Sadismus" existiert. Ich habe vor ein paar Jahren mal Justine von ihm gelesen, aber das war Kindergarten im Gegensatz zu dem, was mich hier erwartet hat.

Beginnen wir mir dem Aufbau. Zu Anfang werden die vier Herren genau vorgestellt (inklusive Länge und Umfang ihres Geschlechts), man erfährt ein wenig über ihr verruchtes Leben und wie sie zu ihrer Idee gelangt sind. Dann werden auch alle anderen Figuren vorgestellt. Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, mir die Namen der insgesamt 46 Figuren zu merken, aber ich kam auch so ganz gut klar.
Sobald alle in das Schloss gezogen sind, ist der Tagesablauf immer recht ähnlich: Es wird geprüft, ob die Bewohner gegen irgendwelche Regeln verstoßen haben und deswegen bestraft werden müssen. Den Tag verbringt man mit Essen und der ein oder anderen Eskapade. Ab 18 Uhr beginnt eine der Erzählerinnen mit ihren fünf Geschichten, die zwischendurch von den Zuhörern kommentiert werden. Danach beginnen die Orgien, und die vier Herren nehmen sich über Nacht noch ein paar Leute mit aufs Zimmer.
Jede Erzählerin erzählt 30 Tage lang - das macht 150 Erzählungen pro Frau und 600 Erzählungen insgesamt. Anfangs habe ich mich gefragt, wie so viel in ein 450 Seiten starkes Buch passen soll. Die Antwort: Die 120 Tage von Sodom ist nie ganz fertig geworden. Lediglich die Vorbereitungen sowie der erste Erzählzyklus sind komplett ausformuliert. Die restlichen 450 Erzählungen sind alle nur ganz kurz skizziert. Schade fand ich das nicht, denn sonst hätte das Buch bestimmt über 1.000 Seiten gehabt.

Eigentlich habe ich mich immer für ziemlich abgehärtet gehalten, was Brutalität, ekelige Sachen etc. angeht. Doch bei diesem Werk bin ich an meine Grenzen gestoßen.
De Sade nimmt kein Blatt vor den Mund und erzählt detailliert, wie die Menschen die Exkremente des jeweils anderen essen oder wie sie aufs grausamste gefoltert und manchmal auch getötet werden.Wie gesagt, steigern sich die Erzählungen, sodass ich froh war, nur die "harmlosen" ersten 150 Geschichten komplett lesen zu können. Andererseits stumpft man irgendwann auch einfach ab. Habe ich bei den ersten Malen, wenn ich las, dass man in den Unterleib der Frau seine Fäkalien hineingeschoben hat, das Gesicht angewidert verzogen, war das beim 3. Mal schon gar nicht mehr so schlimm.

Mir fällt es relativ schwer, das Buch zu bewerten. Denn Spaß hatte ich definitiv nicht. Ich war ziemlich froh, dass die Geschichten immer kürzer wurden und es irgendwann dann auch zuende war. Andererseits ist es natürlich schon bemerkenswert, was sich de Sade da ausgedacht hat. Manche Geschichten ähneln sich zwar stark, insgesamt sind sie aber doch recht unterschiedlich, sodass man echt nur staunen kann, wie viele Perversitäten dem Autor da eingefallen sind. Es war die meiste Zeit sehr interessant, aber auch recht abartig.

Die 120 Tage von Sodom wird nie zu meinen Lieblingsbüchern zählen, ich finde aber erstaunlich, dass so etwas im 18. Jahrhundert erzählt wurde. Kein Wunder, dass Marquis de Sade wegen seines Lebensstils und seinen schriftstellerischen Tätigkeiten in der Bastille saß.




Hier einmal der Trailer zu: Salò - Die 120 Tage von Sodom.
Keine Angst, der Trailer ist harmlos.


Der Film erzählt vielleicht ein Zehntel (wenn überhaupt) von dem, was alles im Buch passiert. Ist trotzdem nichts für schwache Nerven ;)

Kommentare:

  1. Zu de Sade ist gerade auch eine recht spannende neue Biografie erschienen, die - mir zumindest - an mancher Stelle Aufschluss gegeben hat, warum der Herr so geschrieben hat. Sie heißt "Die Vermessung des Bösen".

    Schöne Grüße ;)

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    1. Mach doch meinen SUB nicht noch größer :D Also, wenn ich Zeit habe, schau ich da bestimmt mal rein, denn bei ihm würde ich echt mal gerne wissen, was ihn dazu gebracht, solche Bücher zu schreiben.

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